10/04/02 - Artikel: Natürlich Safety at Work aber mit Komfort!
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Grundsätzlich kann für "Safety at Work", die sicherheitstechnische Version von AS-Interface, jeder Master verwendet werden. Das funktioniert, aber diesmal steckt nicht der Teufel, sondern der Gewinn im Detail: Am Beispiel eines erweiterten Masterkonzeptes wird gezeigt, wie Planung, Inbetriebnahme, laufender Betrieb und Wartung eines Safety at Work - Netzes durch neue Applikationsfunktionen und komfortable Datenhaltung auf der Masterebene noch erleichtert werden können.
"Safety at Work heißt der Einsatz von AS-Interface in sicherheitsgerichteten Applikationen bis zur Kategorie 4, der höchsten Stufe der einschlägigen Norm EN 954-1. Das zentrale Element, der Sicherheitsmonitor, ist jetzt durch den TÜV Nord zertifiziert. Damit steht "Safety at Work uneingeschränkt zur Verfügung und wird von mehreren Herstellern angeboten.
Für den Anwender geht es jetzt nicht mehr darum, ob er Safety at Work einsetzen kann, sondern es geht um das Wie. Er will Safety at Work möglichst komfortabel in AS-Interface - Netze einbinden. Basis dafür ist die Interoperabilität aller Komponenten eines der Highlights von AS-Interface -, die auch bei Safety at Work erhalten bleibt, trotz der erhöhten Anforderungen. Master (Gateways), sichere Slaves und Standard-Slaves unterschiedlicher Hersteller können innerhalb jedes Netzes mit dem neuen Sicherheitsmonitor beliebig kombiniert werden. Das eröffnet dem Anwender die Chance, Produkte aus einem großen Angebot auszuwählen, die sich in Funktionalität, Bedienungskomfort und anderen Punkten unterscheiden.

Das Konzept
von Safety at Work (1):
AS-Interface hat schon in seiner
Standardversion eine hochgesicherte Datenübertragung, die für
Sicherheitsapplikationen nicht mehr nachgebessert werden musste. Das hat zwei
Besonderheiten für Safety at Work zur Folge:
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AS-Interface Master mit
Applikationsfunktionen
In diesem Aufsatz wird am Beispiel einer Masterfamilie gezeigt, wie der Anwender diese Interoperabilität nutzen und durch geschickte Datenhaltung und -auswertung auf der Masterebene unterstützt werden kann. Die Stichworte sind Applikationsfunktionen und Mensch-Maschine-Schnittstelle.
Das Prinzip von Safety at Work ist inzwischen bekannt (Bild 1 und Kasten) und braucht nicht mehr ausführlich begründet zu werden. Durch die erhöhten Anforderungen der Sicherheitstechnik entstehen aber in einem Safety at Work - Netz zusätzliche Daten, neue Situationen müssen berücksichtigt, unterschiedlichste Stoppsituationen analysiert werden.
Die sicherheitsspezifischen Daten des Netzes werden vom Monitor erfasst (bzw. erzeugt) und zur Auswertung bereitgestellt. Dabei ist im Konzept vorgesehen, dass sie von der übergeordneten Steuerung, dem "Host", mit Hilfe eines Funktionsbausteins durch den Master hindurch eingelesen und dann im Host ausgewertet werden. Raffinierter ist es jedoch, zusätzliche Funktionalitäten dem Master selbst als sogenannte "Applikationsfunktionen" zuzuweisen. Dem Ansatz liegen folgende Ideen zu Grunde:

Die Geräte der neuen Mastergeneration (2) der Firma Bihl + Wiedemann (Bild 2) bieten solche Unterstützung des Anwenders. Sie enthalten alle Standardfunktionen von AS-Interface, eine Reihe von Applikationsfunktionen, sowie ein einfaches oder ein graphisches Display. Ihr Nutzen tritt bei Safety at Work Netzen besonders zu Tage, wird jedoch auch schon für klassische AS-Interface Netze deutlich.
Alle Funktionen der erweiterten AS-Interface Spezifikation (Version 2.1), die praktisch gleichzeitig mit Safety at Work eingeführt wurde, sind vollständig implementiert. Sie bieten: die die Slaves charakterisierenden Daten (I/O, ID, ID1 und ID2), Eingangs- und Ausgangsdatenabbilder, Slave-Parameter, den erweiterten Adressbereich bis 62 Slaves, die integrierte Ein- und Ausgabe analoger Daten nach Profil S-7.3, Ein- und Ausgabe langer Nachrichten nach S-7.4, die Peripheriefehlerverarbeitung etc. (Bild 3). Einzelheiten zu diesen Funktionen sind schon beschrieben worden (1).

Darüber hinaus sind bei Bihl+Wiedemann zusätzliche Applikationsfunktionen realisiert, die über die Standardfunktionen der allgemeinen AS-Interface - Spezifikation hinausgehen:
Human
Machine Interface im Master
Bild 4: Im Menü des graphischen Displays können alle Master-funktionen dargestellt werden. Gezeigt sind die beiden ersten Menüebenen. Die Bilder 5, 6 und 8 zeigen weitere Ebenen. |
Ebenfalls
außerhalb der allgemeinen AS-Interface Spezifikation steht dem Nutzer ein
Display zur Verfügung (Bild 2), über das die Kommunikation mit dem
Bediener erfolgen kann (Ausnahme: PC-Karten, hier steht der PC-Bildschirm zur
Verfügung). In der einfachen, klassischen Version können hier die
Adressen aller angeschlossenen Slaves angezeigt, Konfigurationsfehler gemeldet
und Adressen geändert werden.
Die Version
mit graphischem Display geht weit darüber hinaus:
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Das graphische Display ermöglicht somit eine komplette, komfortable Vor-Ort-Diagnose. Es wird zur Mensch-Maschine-Schnittstelle, zum Human Machine Interface HMI, das unabhängig von jeder Steuerung oder jedem Feldbus ist. Es ist neben den Applikationsfunktionen das zweite Charakteristikum der neuen Masterfamilie.
Intelligente Lösungen
durch Applikationsfunktionen
AS-Interface wird heute in erster Linie zur Kosteneinsparung eingesetzt. Das erklärt die starke Verwendung von Modulen, an die konventionelle Sensorik und Aktuatorik angeschlossen wird. Integrierte Slaves werden seltener genutzt, obwohl sie durch zusätzliche Daten erlauben, neue und intelligente Automatisierungslösungen mit hohem Anwendernutzen zu erarbeiten. Einige Vorteile der Bustechnik - mehr Information aus dem Prozess - werden so weitgehend vernachlässigt. Ein Grund hierfür dürfte darin zu suchen sein, dass die entsprechenden Informationen bisher bitweise in das Anwenderprogramm eingebunden werden müssen.

Beim Einsatz von "Safety at Work" wird sich das ändern. Der Endnutzer wird vermehrt individuell auf bestimmte Situationen reagieren wollen, um dadurch die Verfügbarkeit einer Anlage ohne Abstriche an der Sicherheit steigern zu können. Dass dies einfacher als bisher möglich wird, genau das leisten die Applikationsfunktionen der neuen Masterfamilie:

Für alle diese Listen gilt also: Die Applikationsfunktionen des Masters unterstützen den Anwendungsprogrammierer so, dass intelligente Lösungen nicht mehr am Programmieraufwand scheitern müssen. Für Safety at Work - Netze wird z.B. die klare Trennung der Ursachen für einen Stopp erheblich einfacher. Unterschiedliche Stoppsituationen, wie in Bild 7 dargestellt, lassen sich auch einfach für den Wiederanlauf nutzen. Die immanenten Vorteile der Bustechnik, ihr mehr an Information wird nutzbar, um hohe Anlagenverfügbarkeit und einfache Bedienung zu erreichen.
Erhöhung der
Netzstabilität durch Diagnosestring und
Protokollanalyse
Das klassische AS-Interface Netz verhält sich im allgemeinen ausgesprochen gutmütig. Selbst wenn in einem Netz gelegentliche Störungen auftreten (damit muss jedes Bussystem rechnen), arbeitet es zuverlässig und meist ohne dass der Anwender von solchen Störungen Notiz nimmt. Typische Fälle sind z. B. EMV-Störungen eines Slaves oder eines Netzbereiches, ein "simpler" Wackelkontakt, ein Überschreiten der zulässigen Netzlänge oder ungenügende Eigenschaften etwa eines nicht-zertifizierten Slaves. Dadurch bedingte, fehlerhafte Telegramme werden automatisch erkannt, wiederholt und von außen meist gar nicht mehr wahrgenommen. Bei Standard-Slaves kann die Korrektur in drei aufeinanderfolgenden Zyklen geschehen. Erst, wenn ein Fehler auch im dritten Zyklus nicht beseitigt ist, gibt der Master eine Meldung an das Anwenderprogramm ("Configuration Error"). Sporadische Störungen werden daher problemlos geschluckt, ernsthafte sicher erkannt und gemeldet.
(2) Stopp nach Notausbetätigung (3) Stopp nach Sicherheitsauslösung (z. B. Lichtvorhang unterbrochen) (4) Stopp nach Fehler in der Kommunikation eines sicheren Slaves (5) Stopp nach Ausfall eines sicheren Slaves (6) Stopp durch Peripheriefehler (7) Stopp durch Konfigurationsfehler (8) Stopp durch Spannungsausfall im Netz (9) Stopp nach Warnmeldung |
Bild 7: Mögliche Stoppsituationen eines Safety at Work - Netzes. Nutzt das Anwenderprogramm die detaillierte Information, so kann es gezielt reagieren.
Bei Safety at Work - Netzen sollte der Anwender dagegen etwas sorgsamer sein: Da hier im "echten" Fehlerfall eine Maschine schnell angehalten werden muss, wartet der Sicherheitsmonitor nicht drei, sondern nur zwei Zyklen ab, bevor er eine Anlage wegen Kommunikationsstörung mit einem sicheren Slave abschaltet. Nur so kann eine Latenzzeit von 40 Millisekunden zwischen Störung und Abschalten garantiert werden. Nachteil dieser Maßnahme können "versehentliche" Stopps durch momentane Instabilitäten des Systems sein. Sie sind zwar technisch harmlos, denn sie beeinträchtigen die Sicherheit des Systems selbstverständlich nicht, sind aber in der Praxis ein Ärgernis, wenn sie die Verfügbarkeit der Anlage herabsetzen. Man wird daher immer versuchen, solche Instabilitäten zu erkennen und die Anlage korrekter aufzubauen.

In dieser Situation wird der Anwender durch die Applikationsfunktionen "Diagnosestring" und "Protokollanalyse" unterstützt. Mit letzterer wird die Zahl der von der Spezifikation tolerierten Telegrammwiederholungen für jeden Slave festgehalten. Der Nutzer kann daraus erkennen, welche Slaves zwar noch spezifikationsgerecht arbeiten, aber doch Kommunikationsstörungen erleiden. Er findet so eventuelle Instabilitäten des Netzes und kann sie kontrolliert beseitigen. Achtet man bei der Inbetriebnahme oder bei Wartungsmaßnahmen besonders auf Telegrammwiederholungen der sicheren Slaves, so lässt sich die Verfügbarkeit einer "Safety at Work" - Anlage deutlich erhöhen. Das oben dargestellte Problem wird so elegant gelöst. Das Auslesen der Zähler erfolgt wieder über das graphische Display, also sehr einfach und unabhängig von jedem Anwenderprogramm (Bild 8).
Dieser Prozess wird zusätzlich durch die Diagnosewerte des Sicherheitsmonitors von "Safety at Work" unterstützt. Sie beschreiben den Grund eines Stopps eindeutiger als andere Masterdaten. Der Monitor hat nämlich eine Latenzzeit von bis zu 40 ms für das Trennen seiner Ausgänge. In dieser Zeit dürfen die Applikation und das AS-Interface-Netz noch weiterlaufen. Das Netz selbst wird in vielen Fällen erst noch später angehalten. Dann wird aber eine Analyse der Situation aus den Standarddaten des Masters schwieriger, da der Master über mehrere Zyklen neue Daten aufgenommen hat. Der Monitor hält dagegen die aktuelle Situation für einen Stopp fest. Die Verfügbarkeit dieser Daten im Master unterstützt also eine Analyse vor allem in jenen Fällen, in denen ein unbeabsichtigter Stopp durch den Sicherheitsmonitor auftritt, also z. B. kein Not-Aus betätigt wurde. Der direkte Zugang über das HMI-Display erspart dabei das Anschließen einer separaten Ausgabeeinheit oder die Ausgabe über das höhere System.
Resümee:
Mit Recht wird AS-Interface als die einfachste Vernetzungslösung in der Automatisierung betrachtet. Das gilt auch für die Variante "Safety at Work". Ebenso bleibt richtig, dass jeder Master - auch jeder Master der älteren Generation - für Sicherheitsapplikationen grundsätzlich verwendbar ist. Das ist Kern des Konzeptes zur Einführung eines allgemein nutzbaren, von allen Anbietern verwendeten Sicherheitsmonitors mit den erforderlichen offiziellen Zulassungen. Die hier vorgestellte Masterfamilie berücksichtigt aber mit ihren Applikationsfunktionen und einem voll ausgebauten HMI erstmals auch das Konzept "Safety at Work" explizit und bietet dadurch eine intensive Unterstützung des Nutzers in den verschiedenen Phasen des Lebenszyklus einer Automatisierungsanlage: Bei der Planung (Unterstützung intelligenter Anwenderprogramme), bei der Inbetriebnahme (Netzunabhängigkeit; Verbesserung der Netzqualität), beim Betrieb (hohe Anlagen-Verfügbarkeit) und bei der Wartung (Vor-Ort-Diagnose, Netzanalyse). Anwender aus der Automatisierungsbranche werden schnell diesen hohen Komfort schätzen lernen.
Literatur
(1) Madelung, O.W.: Nachtrag zum
AS-Interface Handbuch (2. Auflage), deutsch und englisch; Download-Datei unter
www.madelung-online.de, 2001
(2) Bihl + Wiedemann: Übersicht über
die Gateways, siehe www.bihl-wiedemann.de
Autor
Dr. Otto W. Madelung, Technische
Unternehmensberatung Dr. Madelung,
www.madelung-online.de
Dieser Artikel ist in folgender Zeitschrift erschienen: SPS-Magazin 4+5/2002