17/09/01 - Artikel: Analogwertverarbeitung mit AS-Interface nach der neuen Spezifikation 2.1




Analogwertverarbeitung mit AS-Interface nach der neuen Spezifikation 2.1

Neuerungen der Analogwertübertragung bei AS-Interface 2.1 und die damit verbundenen Vorteile des Anwenders

Das AS-Interface, hat sich als Installationssystem für die unterste Feldebene im Markt etabliert und wird von allen führenden Herstellern angeboten. Insbesondere zeichnet es sich durch eine extrem leichte "elektrikergerechte" Handhabung, flexible Vernetzungsstruktur, eine hohe Sicherheit in industrieller Umgebung und vor allem für den Anwender niedrigen Kosten aus. Das Produktspektrum reicht von verschiedenen Masterbaugruppen - direkte Anschaltbaugruppen für PC oder SPS oder Gateways zu übergeordneten Feldbussysteme wie PROFIBUS, InterBus oder auch Ethernet TCP/IP - über integrierte AS-Interface Sensoren, I/O Baugruppen für Schaltschrank- (IP20) und Feldeinsatz (IP67) bis hin zu intelligenten Aktuatoren. Seit der Einführung des Systems im Markt 1994 haben sich von Kundenseite Anregungen und Forderungen aufgetan, die in die neue AS-Interface Spezifikation 2.1 eingebunden wurden. Die Spezifikation wurde so weiterentwickelt, dass eine Abwärtskompatibilität zum Standard AS-Interface erhalten bleibt. Dies ist insofern wichtig für Maschinen- und Anlagenbauer, dass sie auf eine zukunftsweisende Technologie aufsetzen, die sich ständig weiterentwickelt bei der jedoch die bisherigen Komponenten weiterverwendet werden können. Das AS-Interface nach neuer Spezifikation (AS-Interface 2.1) unterscheidet sich zum bisherigen AS-Interface 2.0 im wesentlichen in 3 Punkten. (vgl. Bild 1).

  1. Erweiterung auf 62 Slaves pro AS-Interface Strang
  2. Detailliertere Diagnose durch Anzeige von Kommunikationsfehlern sowie Peripheriefehlern
  3. Analogwertübertragung so einfach wie die Übertragung von binären Signalen


Bild 1: Neuerungen bei AS-Interface

Auf die einfache Übertragung von Analogwerten über AS-Interface wird im folgenden näher eingegangen.

Prinzip der Analogwertübertragung

Da AS-Interface im 1. Schritt auf die Übertragung binärer Daten optimiert wurde, war die Übertragung von Analogsignalen über AS-Interface nur mit Klimmzügen möglich. Es stellte sich jedoch heraus, dass häufig in Applikationen der eine oder andere analoge Wert wie Druck oder Temperatur verarbeitet werden muss. Mit der neuen AS-Interface-Spezifikation wurde eingeführt, dass bei AS-Interface 2.1 Analogwerte so einfach übertragen werden können wie digitale Werte. Aus diesem Grunde wurden in der neuen AS-Interface-Spezifikation die Slave-Profile 7.3 und 7.4 zur Übertragung von Analogwerten definiert. Nach dem Profil 7.3 nimmt der AS-Interface-Master die analogen Slaves genauso wie die digitalen Teilnehmer in betrieb und startet den Datenaustausch automatisch. Dem Hostsystem (PC, SPS, Feldbus) wird der 16-Bit-Wert direkt zur Verfügung gestellt. Für den Anwender läuft die Analogwertübertragung zwischen AS-Interface-Master und AS-Interface-Slave im Hintergrund ab.
Bei AS-Interface werden zwischen dem AS-Interface-Master und dem AS-Interface-Slave 4 Bit E/A-Daten ausgetauscht. Soll jetzt ein 16-Bit-Werte übertragen werden, ist ein zeitliches Multiplexing notwendig. Der einzelne Analogwert wird vom Sender in mehrere Stücke aufgeteilt, die nacheinander übertragen und vom Empfänger wieder zusammengesetzt werden. Je nachdem ob es sich dabei um den Messwert eines Sensors oder um den Sollwert für einen Aktuator (z.B. einen drehzahlvariablen Antrieb) handelt, ist der Slave Sender oder Empfänger und der Master das Pendant.
Bei AS-Interface erfolgt die Übertragung der Teilnachrichten in aufeinanderfolgenden Zyklen. Dadurch bleibt die Zykluszeit des Systems unabhängig von der Anzahl solcher Slaves, die lange Nachrichten zu übertragen haben. So bleibt selbst dann, wenn in einem Netz viele Analogwerte übertragen werden müssen, die Zykluszeit zur Auffrischung der Binärwerte (max. 5 ms bei 31 Single-Slaves) konstant. Für den Anwender ist der Slave, der diesen "gestückelten" Datenaustausch vornimmt, ein Gerät, das er vom Hersteller bezieht, um dessen Einzelheiten er sich jedoch nicht kümmert. Nach der Spezifikation 2.1 wird eben jetzt auch der Teil auf der Gegenstelle im Master automatisch abgearbeitet. Dies bedeutet, dass sich der Anwender voll auf seine Applikation konzentrieren kann, und er sich nicht um die Übertragung einzelner Bits bei der Analogwertübertragung kümmern muss, wie es nach den bisherigen AS-Interface-Profilen 7.1 und 7.2 gemacht werden musste.
Die Vorteile für den Anwender sind offensichtlich: Er muss sich nicht um die Abwicklung des Datenverkehrs im Anwenderprogramm kümmern. Dies führt in den meisten Fällen zu einer Verringerung der Übertragungszeit der Analogwerte über AS-Interface, da der Analogwert nicht mehr von der Zykluszeit der Anwendung sondern von der AS-Interface-Zykluszeit abhängt. Bis zu 31 analoge AS-Interface-Slaves können an einen AS-Interface-Master nach der Spezifikation 2.1 betrieben werden. Nach dem Slaveprofil 7.3 können je nach Slave entweder ein, zwei oder sogar vier analoge Sensoren bzw. Aktuatoren angeschlossen werden. Somit können maximal 124 Analogwerte über AS-Interface übertragen werden.

AS-Interface-Analogmodule

Bihl+Wiedemann hat eben für den sicheren und direkten Anschluss von Sensoren und Aktuatoren AS-Interface-Analogmodule entwickelt, die analoge Daten wie Druck und Raumtemperatur als störsichere digitale Signale über AS-Interface tragen (vgl. Bild 4).
In der Anlagentechnik werden an diese Module Messverstärker, Trennverstärker oder Wirkleistungsumformer angeschlossen. Die Module sind nach dem oben angeführten standardisierten AS-Interface-Profil 7.3 aufgebaut. Sie werden einfach - wie rein digitale AS-Interface-Slaves - an die AS-Interface-Leitung geklemmt und der Master nimmt eigenständig die Kommunikation zum Slave auf. Einfach Plug and Play! Für den Anwender entfällt die Programmierung von Funktionsbausteinen zur Bedienung des Analogprofils.


Bild 2: AS-Interface-Analogmodul: Einfach "Plug and Play" nach dem Profil 7.3

Die Baureihe der Analogmodule umfasst heute 5 Module: 2 analoge Eingänge 0 bis 10V, 2 analoge Eingänge 0/4 bis 20mA, 2 analoge Ausgänge 0 bis 10V und 2 analoge Ausgänge 0/4 bis 20 mA sowie ein Modul mit 4 Pt100 Eingängen. Die hohe Schutzart IP65 ermöglicht den Einsatz der Module direkt vor Ort.
Neben dem Anschluss von konventionellen Sensoren und Aktuatoren mit 0 - 10 V bzw. 0/4 - 20 mA Eingängen / Ausgängen können auch durchaus andere Endgeräte über entsprechende AS-Interface-Slaves, welche die 16-Bit-Wertübertragung nach den Slaveprofilen 7.3 oder 7.4 unterstützen, an das AS-Interface angeschlossen werden. Hier können beispielsweise Tastenfelder oder Bediengeräte angeführt werden. Es werden aber auch immerhäufiger drehzahlveränderbare Antriebe an das AS-Interface angeschlossen.

AS-Interface-Slaves für Frequenzumrichter

Die vielseitigen drehzahlveränderbaren Antriebe der unterschiedlichsten Hersteller sind sowohl im gesamt Maschinenbau als auch im industriellen Bereich einsetzbar. Ihre Fähigkeit, Prozesse zu optimieren und Energie zu sparen steht und fällt jedoch gerade in innovativen Maschinen und Anlagenkonzepten mit den Kommunikationsschnittstellen, die sie nahtlos in ihr jeweiliges Automationsumfeld integrieren. Dieses Umfeld wird heute im wesentlichen auch von Sensoren geprägt. Aus diesem Grunde wurden von Bihl+Wiedemann AS-Interface-Slaves für Frequenzumrichter sowie Motoren mit integrierten Frequenzumrichtern entwickelt, die diese Probleme lösen, um auch Applikationen zu ermöglichen die nicht unbedingt den Einsatz leistungsfähigerer Feldbussystem zur Anbindung der Antriebe erfordern, und somit dem Anwender Kosten einsparen.


Bild 3: AS-Interface-Slave in Verbindung mit einem Frequenzumrichtermotor

Hierbei handelt es sich um AS-Interface-Slaves, die über eine serielle Schnittstelle verfügen mit der Frequenzumrichter bzw. Motoren mit integriertem Frequenzumrichter angeschlossen werden können. Die Aufgabenstellung dieser Slaves besteht darin, dass einerseits die Frequenzumrichter angesteuert werden müssen und andererseits auch Rückmeldungen der Antriebe ausgewertet werden müssen. Die Ansteuerung kann sowohl Festsollwerte als auch sich ändernde Sollwerte und Rampen betreffen. Um diesen Anforderungen zu genügen, können die AS-Interface-Slaveanschaltungen in verschiedenen Modi betrieben werden, welche durch das Senden unterschiedlicher AS-Interface-Parameteraufrufe aktiviert werden. Im Default-Modus verhalten sich die AS-Interface-Slaves aus Sicht des AS-Interface-Masters wie ganz normale AS-Interface-4E/4A-Module. Um jedoch auch Sollwert und Rampe zu übertragen wird der AS-Interface-Slave in einen anderen Betriebmodus umgeschaltet. In diesem Modus verhält sich der AS-Interface-Slave wie ein 4 kanaliges AS-Interface-Analogausgangsmodul. Nach dem Slave-Profil 7.3 werden dann vier 16-Bit-Werte vom AS-Interface-Master an den AS-Interface-Slave übertragen. Diese 4 Werte beinhalten:

  1. Sollwert der Frequenz a
  2. Sollwert der Frequenz b
  3. Hochlauframpe
  4. Niederlauframpe

Dies bietet eine einfache Möglichkeit zur Optimierung von Anlagen an, beispielsweise Förderanlagen, die aufgrund unterschiedlicher Produkte, die transportiert werden auch mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten sowie Beschleunigungs- und Bremsvorgängen gefahren werden müssen.

Anbindung an das Host-System

Die Übertragung der analogen AS-Interface-Daten an das Host-System ist entsprechend einfach wie bei den binären AS-Interface-E/A-Daten. Wird beispielsweise eine PC-Karte als AS-Interface-Master verwendet, so werden die analogen Daten neben den binären Daten zwischen dem AS-Interface-Master und dem PC über ein DPRAM ausgetauscht. Über entsprechende Treiber für die gängigen Betriebssysteme sowie einen OPC-Server können die 16-Bit-Werte der AS-Interface-Analogslaves einfach in die Applikation eingebunden werden.


Bild 4: AS-Interface/PROFIBUS DP-Gateway nach neuer Spezifikation 2.1

Wird ein Gateway zwischen AS-Interface und einem übergeordneten Feldbussystem als AS-Interface-Master eingesetzt, so werden die analogen Daten über den übergeordneten Bus übertragen. Die AS-Interface/PROFIBUS-Gateways nach neuer Spezifikation 2.1 von Bihl+Wiedemann beipielsweise können bei der Inbetriebnahme des PROFIBUS so konfiguriert werden, dass die analogen Daten entweder zusammen mit den binären AS-Interface-E/A Daten im zyklischen PROFIBUS DP Telegramm übertragen werden oder dass die analogen Daten über den azyklischen PROFIBUS DP V1 Dienst übertragen werden. Der Anwender kann die für ihn beste Möglichkeit auswählen. Auch die Übertragung von Sollwerten und Rampen der oben beschriebenen AS-Interface-Slaves für Frequenzumrichter kann einfach über den PROFIBUS DP erfolgen. Über ein einfaches PROFIBUS Kommando werden die entsprechenden AS-Interface-Parameterumschaltungen sowie die Übertragung der vier 16-Bit-Werte ausgeführt. Der Anwender muss lediglich ein Kommando über den PROFIBUS ausführen und der Rest geschieht automatisch. Dies bedeutet nicht nur eine deutliche Erleichterung für den Anwender sondern auch eine Erhöhung der Performance des Gesamtsystems durch die Optimierung der Übertragungszeiten.

Fazit

Mit den Verbesserungen nach der neuen AS-Interface-Spezifikation 2.1 ist die Übertragung von Analogwerten so einfach wie die von binären Werten. Dem Anwender eröffnen sich nun Möglichkeiten neben überwiegend binär arbeitenden auch viele einfache analoge Geräte in ein AS-Interface-Netz einzubinden. AS-Interface als System wird somit universeller verwendbar ohne dabei komplizierter zu werden. Die Vorteile des AS-Interface, wie die geringen Kosten, die hohe Flexibilität und die "Elektriker-gerechte" Handhabung können mit den Funktionen von analogen Engeräten aber auch Antrieben sinnvoll kombiniert werden. Damit bietet sich dem Anwender eine echte Alternative neue Lösungen für Maschinen und Anlagen zu konzipieren, mit AS-Interface als eigenständigem System oder aber als Subsystem zu einem übergeordneten Feldbussystem.




Autor
Dipl.-Wirtsch.-Ing. Lutz Bieberstein
Bihl+Wiedemann GmbH
Floßwörthstr. 41, D-68199 Mannheim
Tel.: (+49) 621/33996-0, Fax: (+49) 621/3392239
eMail: lbieberstein@bihl-wiedemann.de
Herr Bieberstein ist Marketing- und Vertriebsleiter bei der Bihl+Wiedemann GmbH

Literatur
[1] Dr. Otto W. Madelung: AS-Interface® Version 2.1: In Zukunft auch einfache Analogwertübertragung, 1999
[2] AS-International: Was ist neu bei AS-Interface? Eine kurze Einführung. Vortragsfoliensatz , April 2000
[3] Lutz Bieberstein: AS-Interface-Anschaltungen für Frequenzumrichter, 1999


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